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Hirschberger Stadtroute · die kleine Route

Riesengebirgsmuseum

Das Riesengebirgsmuseum ist einer der wenigen Bauten der Stadt, die von Anfang an für Sammlungen errichtet wurden – kein umgebautes Palais, keine Mietskaserne. Eröffnet wurde es am 14. April 1914 um halb zwölf, nachdem die Sammlungen ein Vierteljahrhundert auf ein eigenes Haus gewartet und dabei drei andere Adressen durchlaufen hatten. Es ist die elfte Station des kleinen Stadtrundwegs – die letzte auf der städtischen Liste.

Adresse: ul. Jana Matejki 28. Geöffnet Dienstag bis Sonntag, montags geschlossen; mittwochs freier Eintritt in die Dauerausstellungen. Zeiten und Preise prüft man besser vorher, sie unterscheiden sich im Sommer und im Winter.

Zuerst waren die Wege, das Museum kam nebenbei

Am 1. August 1880 entstand in Hirschberg der Riesengebirgsverein, kurz RGV. Gegründet hat ihn Theodor Donat, und seine Aufgabe war es, die Berge für Wanderer zu erschließen – was er in einem Umfang tat, den man einem Liebhaber- verein nicht zutrauen würde. Bis 1930 hatte er 300 Kilometer Wege markiert und unterhalten: neunzig im Riesengebirge, hundert im Vorgebirge, sechzig im Isergebirge, zwanzig im Bober-Katzbach- und dreißig im Rabengebirge. Es kostete eine halbe Million Mark.

Zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen eröffnete der Verein 1905 den „Jubiläumsweg“ zum Gipfel der Schneekoppe. Er führte außerdem zehn Jugendherbergen und rief 1927 eine eigene Bergwacht zum Schutz der Natur ins Leben. Das Museum entstand als Nebenwirkung all dessen: Mitglieder brachten von ihren Fahrten Tagebücher und Bücher mit, aus denen erst eine Bibliothek und dann eine Museumssammlung wurde.

Ein Vierteljahrhundert in fremden Räumen

Zum ersten Mal gezeigt wurden die Sammlungen am 2. Juni 1889 – im Erdgeschoss des Königlichen Gymnasiums an der heutigen ul. 1 Maja. Sieben Jahre später zogen sie einige Nummern weiter, und ab dem 1. Februar 1902 lagen sie an der ul. Szkolna. Mehr als vier Jahrzehnte betreute sie ein einziger Mann: Kustos Hugo Seydel, seit 1885 mit der Hirschberger Ortsgruppe des Vereins verbunden, ab 1898 ihr Vorsitzender. Er starb am 3. Oktober 1932 im Alter von zweiundneunzig Jahren, noch immer dem Museum verbunden.

Ein Haus, für die Sammlungen gebaut

Der Bau eines eigenen Hauses begann am 3. Juni 1912 und endete am 14. April 1914 – wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Frühere Entwürfe von Kühnemann und Drescher wurden verworfen; den Auftrag erhielt schließlich Carl Grosser, ein in Breslau tätiger, aber in Schmiedeberg geborener Architekt, also von derselben Seite der Berge.

Die ursprüngliche Anordnung der Ausstellungen sagt einiges darüber, was damals als zeigenswert galt. In der Halle standen Glas, Siegelstempel, Schnitzerei sowie kunstvolle Schlosser- und Schmiedearbeit. Einen eigenen Saal bekamen die Handwerkszünfte: Pokale, Willkommbecher, Truhen und Zunftdokumente. Im Kirchensaal fanden sich Skulpturen, Kruzifixe, Sargschilde und die Orgel aus der Heilig-Geist-Kirche. Es gab auch ein wie eine Bürgerstube eingerichtetes Zimmer mit Porträts von Kaufmannsfamilien an den Wänden, und im Treppenhaus hingen alte Waffen. Das Obergeschoss nahmen Malerei, Natur und die Webertradition ein.

Das Bauernhaus, das zum Museum gehört

Von Süden schließt an das Gebäude ein Bauernhaus an – keine für die Ausstellung errichtete Rekonstruktion, sondern ein mit originalem Gerät eingerichteter Bau. Bis heute stehen darin ein riesiger Ofen, ein Himmelbett, eine Wiege, ein Buffet und ein Webstuhl. Letzterer ist hier das Wichtigste: die Weberei war jahrhundertelang die Lebensgrundlage dieser Berge, und das Haus zeigt den Webstuhl dort, wo er wirklich stand – in der Wohnstube.

Hinter dem Grundstück wurde ein Garten mit Pflanzen des Riesengebirges angelegt. Betreut hat ihn Wilhelm Patschovsky – auch das eine Spur dessen, was der RGV wirklich war: ein Verein, der die Berge als Ganzes behandelte, vom Weg bis zur Pflanze.

Krieg, Propaganda und die Kisten mit Matejko

1938 und 1939 wurde das Museum nach einem Entwurf von Karl Albert umgebaut, um Ausstellungsfläche zu gewinnen. Am Vorabend des Krieges wurde es Sitz des Verbands der Heimatmuseen unter dem Namen Sudetenmuseum RGV und in die Propaganda eingespannt.

Der wichtigste Tag der Nachkriegsgeschichte ist der 7. August 1945. Professor Stanisław Lorentz fand damals Kisten mit Gemälden von Jan Matejko und deponierte sie im Hirschberger Museum. Zur Erinnerung daran erhielt die Einrichtung Matejkos Namen. In den ersten Nachkriegsjahren war das Museum allerdings geschlossen und diente als Depot – zwischen 1948 und 1950 wurden hier sechsundvierzigtausend Objekte inventarisiert. Für Besucher öffnete es endgültig am 2. August 1953, und fünf Jahre später zeigte es die große Ausstellung „Hirschberg in der Vergangenheit“.

Warum ausgerechnet Glas

Die Glassammlung entstand nicht aus dem Geschmack aufeinanderfolgender Direktoren, sondern aus einer Verwaltungsentscheidung: ab 1964 sollte im Rahmen der Spezialisierung der polnischen Museen Hirschberg Kunstglas sammeln. Der Rest ging schnell. 1967 übergab die Musterkammer der Glashütte „Julia“ 282 historische Gläser, darunter zwei Pokale von der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert, 1974 weitere 298 und 1995 sogar 1184. Heute zählt die Sammlung über neuntausend Objekte.

Ihre Gestalt verdankt sie vor allem Mieczysław Buczyński, einem Kunsthistoriker, der dem Museum achtunddreißig Jahre verbunden war. Es ist ein seltener Fall, in dem sich eine Sammlung von europäischem Rang einer Person und einer konsequent verfolgten Ankaufspolitik zuordnen lässt.

Man sollte im Kopf behalten, woher dieses Glas kommt: im Riesen- und im Isergebirge baute man Hütten dort, wo Holz zum Feuern war, also hoch in den Wäldern. Die Sammlung erzählt also die Geschichte einer Industrie, die diese Berge lange vor dem Fremdenverkehr geprägt hat.

Die Laboranten, Kräuterleute mit eigener Zunft

Die interessanteste Gruppe der Ethnografie sind 92 Objekte der Laboranten. Der Name kommt vom lateinischen *laborare* – arbeiten, zubereiten. Den Anfang machte Georg Werner, ein Apotheker aus Glatz, und 1622 oder 1623 siedelte sich in Krummhübel eine Gruppe protestantischer Flüchtlinge aus Böhmen an, die das Zentrum stärkte.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die Laboranten bereits eine eigene Zunft mit Meistern, Gesellen und Lehrlingen – sie waren ein Handwerk, keine Kurpfuscherei. Ihre Präparate gelangten nicht nur auf schlesische Märkte, sondern auch nach Prag, Krakau, Wien, Moskau und London. Die Blüte lag zwischen 1730 und 1780.

Das Ende kam von Amts wegen. Edikte von 1843 verboten homöopathische Praktiken und senkten die Zahl der herstellbaren einfachen Präparate von sechsundvierzig auf einundzwanzig, und ein Dokument vom 30. September stoppte die Erteilung von Genehmigungen. Die Sammlung in Hirschberg ist heute eine der wenigen materiellen Spuren dieses Berufs.

Vom Museum RGV zum Riesengebirgsmuseum

1975, als Hirschberg Woiwodschaftshauptstadt wurde, machte man aus dem Museum ein Bezirksmuseum, das Zweigstellen zu sammeln begann: 1977 die Burg Bolkenhain, 1980 das Museum für Kampf und Arbeit in Bad Warmbrunn, 1995 das Haus von Carl und Gerhart Hauptmann in Schreiberhau. 2001 kehrte es zu einem Namen zurück, der an das Vorkriegs-Museum RGV erinnert – Riesengebirgsmuseum.

Die letzte große Veränderung war die Sanierung und Erweiterung 2009–2011 nach einem Entwurf von Marek Skorupski, im Wert von knapp zehn Millionen Zloty.

Was in der Nähe liegt

Das Museum beschließt die städtische Liste dieses Weges, der auf dem Wzgórze Krzywoustego beim Turm Grzybek beginnt. Unterwegs kommt man an der Basilika, am Rathausplatz und an einer ganzen Reihe von Figuren des Hirschchen-Pfades vorbei. Die unmittelbar vorherige Station ist das Norwid-Theater, wenige Minuten entfernt.

Wer nach dem Museum noch Kraft hat: zehn Minuten weiter, unter dem Wzgórze Kościuszki, liegt der Untergrund Time Gates – die zwölfte und letzte Station.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es das Riesengebirgsmuseum? Die Sammlungen wurden erstmals am 2. Juni 1889 im Königlichen Gymnasium gezeigt. Das heutige Gebäude wurde am 14. April 1914 eröffnet.

Wofür ist das Museum bekannt? Für seine Sammlung künstlerischen Glases mit über neuntausend Objekten. Glas ist hier seit 1964 die Leitsammlung, als die Spezialisierung der polnischen Museen dieses Thema Hirschberg zuwies.

Steht am Museum ein Bauernhaus? Ja. Von Süden schließt ein Bauernhaus mit originaler Ausstattung an: Ofen, Himmelbett, Wiege, Buffet und Webstuhl.

Warum trug das Museum den Namen Jan Matejkos? Weil Professor Stanisław Lorentz am 7. August 1945 Kisten mit Gemälden Matejkos fand und sie hier deponierte. Der Name „Städtisches Museum Jan Matejko“ galt allerdings nur bis 1949; heute heißt die Einrichtung Riesengebirgsmuseum – seit 2001, in Anlehnung an das Vorkriegs-Museum RGV.

Wo ist das Museum und wann ist es geöffnet? An der ul. Jana Matejki 28. Geöffnet Dienstag bis Sonntag, montags geschlossen, mittwochs freier Eintritt in die Dauerausstellungen.

Wer hat das Museumsgebäude entworfen? Carl Grosser, ein in Breslau tätiger, in Schmiedeberg geborener Architekt. Frühere Entwürfe von Kühnemann und Drescher wurden verworfen.

Hat das Riesengebirgsmuseum Zweigstellen? Ja: das Haus von Carl und Gerhart Hauptmann in Schreiberhau, das Burgmuseum in Bolkenhain und das Museum für Geschichte und Militaria in Hirschberg.