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Hirschberger Stadtroute · die kleine Route

Basilika Minor zu Erasmus und Pankratius

Die Pfarrkirche steht im Ostteil der Gründungsstadt, dicht an der einstigen Stadtmauer, die den Kirchhof im Bogen umfasste. Sie ist der älteste Kultort Hirschbergs und das einzige Gebäude hier, das alle Wechsel von Konfession, Grenze und Ordnung überstanden hat, ohne aufzuhören, dasselbe zu tun. Sie ist die sechste Station des kleinen Stadtrundwegs – und die einzige, bei der es sich lohnt, das Gebäude erst einmal zu umrunden.

Pfarrer Henricus und ein Brand, nach dem nichts blieb

Die älteste Spur der Hirschberger Pfarrei ist eine herzogliche Urkunde von 1288, in der als Zeuge der hiesige Pfarrer namens Henricus auftritt. Die damalige Kirche kennen wir nicht – sie brannte 1303 ab, und nicht einmal eine Beschreibung blieb erhalten. Wiederaufgebaut wurde sie unter Heinrich von Jauer, zwischen 1304 und 1346, doch auch dieser Bau bleibt ein Rätsel: man weiß nicht, wie er aussah und wo genau er im Verhältnis zu den heutigen Mauern stand.

Das ist keine Ausnahme. In den schlesischen Städten jener Zeit wurde die Pfarrkirche etwa alle Generationen umgebaut, und ein Brand war ein erwartetes Ereignis, keine Katastrophe – hölzerne Dachstühle, Kerzen und Küchen in der Nachbarschaft besorgten das.

Über drei Generationen gebaut

Die Kirche, die man heute sieht, wurde um 1380 begonnen und über hundert Jahre später vollendet. Zuerst entstanden der Chor und die Umfassungsmauern des Langhauses, also das, was Gottesdienste erlaubte. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die Schiffe fertiggestellt und der Westturm angefügt – seine inneren Strebepfeiler legen allerdings nahe, dass er älter sein könnte als das Langhaus. Die Gewölbe von Chor und Hauptschiff wurden erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geschlossen.

Die Stifter kennen wir nicht. Bekannt ist dagegen, dass im 15. Jahrhundert Maler und Maurer aus Hirschberg in ganz Schlesien erwähnt wurden; die Kirche baute also höchstwahrscheinlich eine örtliche Werkstatt und keine auswärtige Truppe. Baustoff ist Bruchstein, Sandsteinquader blieben dem vorbehalten, was man aus der Nähe sieht: Rippen, Konsolen, Portale, Fenstergewände.

Warum der Chor so lang ist

Die Proportionen dieser Kirche verraten zwei verschiedene Moden. Der Chor ist ungewöhnlich lang und ebenso hoch wie das Hauptschiff – eine Anordnung, die den Bettelordenskirchen des 13. Jahrhunderts nacheiferte, wo es auf Platz für Prediger und Zuhörer ankam, nicht auf Wirkung. Das Langhaus ist dagegen breit und fast quadratisch, was für Schlesien typisch war.

Auch der Turm ist uneinheitlich: im Erdgeschoss quadratisch und mit Arkaden geöffnet, in den oberen Geschossen achteckig. Daneben steht ein vieleckiges Türmchen mit der Treppe – eine praktische Lösung, die das Treppenhaus aus dem Turminneren heraushielt.

Das Portal, das einmal Haupteingang war

Das reichste Portal der Kirche ist nicht dort, wo man es sucht. Es sitzt in der Südwand des Chores: gestuft, von einem geschnitzten Tympanon bekrönt, die Archivolte in einen Eselsrücken gefasst, an den Seiten Nischen, in denen einst Figuren standen. Über den Nischen blieben spitzenartige Baldachine mit Fialen und Kreuzblumen erhalten.

Diese Rangordnung hat eine einfache Erklärung. In der ersten Bauphase fanden die Gottesdienste im fertigen Chor statt, während das Langhaus noch entstand – hier kamen also die Gläubigen herein, und dieses Portal musste repräsentativ aussehen. Innehalten lohnt auch aus einem anderen Grund: die Figuren im Tympanon haben unförmige Proportionen, große Hände und große Köpfe, und der Körperbau verschwindet unter den Gewandfalten. Das ist kein Unvermögen, sondern Konvention – der Bildhauer betonte, was Bedeutung trug: Geste und Gesicht.

Die Masken, auf denen das Gewölbe ruht

Hauptschiff und Chor überspannt ein spätgotisches Netzgewölbe. Es ruht auf kurzen Diensten, die in Konsolen enden, geschnitzt als menschliche und teuflische Masken. Ein Detail, das man leicht übersieht, weil man den Kopf in den Nacken legen und suchen muss – und eines der interessantesten Dinge in diesem Raum.

Die Fenster haben steinernes Maßwerk mit Dreiblatt- und Fischblasenmotiven, wobei das Westfenster im Südschiff ein reicheres Muster bekam als die übrigen.

Zwei Brände und zwei Konfessionen

1549 zerstörte ein Brand Dach und Turm. Der Wiederaufbau dauerte drei Jahre; bezeugt sind dabei die Meister Lucas aus Schweidnitz und Hans Körner – einige der wenigen Namen, die wir aus der Geschichte dieses Baus kennen.

Der zweite Brand brach 1634 aus, im Dreißigjährigen Krieg – derselbe, der die St.-Anna-Kapelle am Schildauer Tor verzehrte und die Kapelle, die dort stand, wo heute die orthodoxe Kirche steht. Diesmal hielten die Gewölbe und retteten den Innenraum.

Die Kirche war seit 1524 in den Händen der evangelischen Gemeinde, denn Hirschberg wurde wie die meisten schlesischen Städte lutherisch. Im Krieg wechselte sie mehrfach den Besitzer – das Denkmalblatt beendet die evangelische Zeit 1629 – und die Katholiken übernahmen sie endgültig 1654; acht Jahre später, 1662, führten die in die Stadt geholten Jesuiten eine gründliche Renovierung durch. Die barocke Umgestaltung des Innenraums kam in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Für die Protestanten bedeutete das ein halbes Jahrhundert ohne eigenes Gotteshaus. Das änderte erst die Altranstädter Konvention vom 1. September 1707, nach der der Kaiser den Bau von sechs Gnadenkirchen in Schlesien zuließ – eine davon ist die Hirschberger Kreuzkirche, 1718 geweiht und an demselben Rundweg gelegen, eine knappe Viertelstunde zu Fuß von hier.

Was drinnen ist

Die Ausstattung stammt überwiegend aus der Zeit nach der Rückkehr der Katholiken, ein gotischer Bau trägt also barocken Schmuck. Den Hochaltar schuf Tomasz Weisfeldt. Am ältesten ist die Kanzel – Renaissance, hölzern, gefasst, von 1591, mehr als hundert Jahre älter als der Rest. Das Gestühl ist auf 1576 datiert, ein zweites, späteres auf das 18. Jahrhundert. Die Orgel baute Casparini 1706, und es gibt zwei Taufbecken aus verschiedenen Epochen: ein barockes von etwa 1720 und ein neugotisches aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Friedhof, der an den Wänden blieb

Das Interessanteste liegt allerdings außen. In die Mauern ist eine stattliche Gruppe von Epitaphien und steinernen Grabplatten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts eingelassen – der Rest des Kirchhofs, den im Nordosten die Stadtmauer abschloss. Als der Friedhof aufgelöst wurde, kamen die Platten in die Wände, und dort blieben sie.

Zwischen den Strebepfeilern des Chores steht eine manieristische Grabkapelle von 1609, durch zwei Arkaden geöffnet, auf der Gegenseite eine zweite vom Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Kirche zu umrunden ist also eine eigene Besichtigung, für die man weder hineingehen noch Öffnungszeiten treffen muss.

Woher der Titel Basilika kommt

Basilica minor ist ein Ehrentitel, den der Papst Kirchen von besonderer Bedeutung verleiht. Die Hirschberger Pfarrkirche erhielt ihn am 15. Mai 2011 von Benedikt XVI. In die Denkmalliste kam sie viel früher, schon am 29. März 1949 – als eines der ersten Objekte im Nachkriegs-Hirschberg.

Was in der Nähe liegt

Wenige Schritte weiter liegt der Rathausplatz mit seinen Lauben, und am Rathauseingang steht das Hirschchen Rajcuś. Der Rundweg führt von hier zum Schildauer Tor und weiter zur Gnadenkirche und endet im Riesengebirgsmuseum. Alle Figuren am Weg stehen auf der Liste der Hirschchen.

Das nächste Hirschchen ist Witalis, sechzig Meter entfernt Richtung Schildauer Tor. In der Gegenrichtung, knapp hundert Meter weiter, steht Italjan.

Häufige Fragen

Wie alt ist die Basilika in Hirschberg? Die Pfarrei ist 1288 bezeugt, die heutigen Mauern wurden aber um 1380 begonnen und die Gewölbe erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geschlossen. Die frühere Kirche brannte 1303 ab.

Warum Basilika und nicht einfach Kirche? Basilica minor ist ein päpstlicher Ehrentitel. Die Hirschberger Pfarrkirche erhielt ihn am 15. Mai 2011 von Benedikt XVI.

Was lohnt sich drinnen? Das Netzgewölbe auf Konsolen in Form menschlicher und teuflischer Masken, die Kanzel von 1591, das Gestühl aus dem 16. Jahrhundert, die Casparini-Orgel von 1706 und der Hochaltar von Tomasz Weisfeldt.

Muss man hineingehen, um etwas zu sehen? Nein. In die Außenmauern sind Epitaphien und Grabplatten des 16. bis 18. Jahrhunderts eingelassen, und am Chor stehen zwei offene Grabkapellen. Auch das reichste Portal der Kirche liegt außen, in der Südwand des Chores.

War die Kirche einmal protestantisch? Ja, über hundert Jahre lang – die evangelische Gemeinde nutzte sie ab 1524. Endgültig an die Katholiken kam sie 1654, mit den Jesuiten. Ein eigenes Gotteshaus bekamen die Protestanten erst nach der Altranstädter Konvention von 1707 – die heutige Kreuzkirche.

Wer hat diese Kirche gebaut? Die Stifter sind unbekannt. Wahrscheinlich arbeitete eine örtliche schlesische Werkstatt daran – im 15. Jahrhundert wurden Maler und Maurer aus Hirschberg in der ganzen Region erwähnt.