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Hirschberger Stadtroute · die kleine Route

Orthodoxe Kirche von St. Peter und Paul

Das Innere der orthodoxen Kirche St. Peter und Paul in Hirschberg: eine vergoldete Ikonostase mit einer Ikonenreihe und der Königstür, darüber ein Gemälde in der Apsis, an den Seiten dunkle Ikonenschreine, davor Blumen
Die Ikonostase kam aus Hrubieszów. Die Ausstattung wurde über vier Jahre aus zerstörten orthodoxen Kirchen des Chełmer Landes und der Region Lublin zusammengetragen.

Dieses Gebäude hat drei Leben gehabt. Zuerst stand hier eine mittelalterliche Kapelle der Heiligen Jungfrau Maria, die ein Brand verzehrte. Dann, auf ihren Fundamenten, eine katholische Kirche des 18. Jahrhunderts. Und seit 1948 eine orthodoxe Kirche, gefüllt mit Dingen, die vom anderen Ende des Landes kamen – zusammen mit den Menschen, die man hierher umsiedelte.

Die Kapelle, die der Brand verzehrte

1453 wurde hier erstmals eine Kapelle verzeichnet, die *extra muros civitas* stand – außerhalb der Stadtmauern. Sie war der Heiligen Jungfrau Maria geweiht; die Namen Peter und Paul kamen erst fünfhundert Jahre später dazu, mit der Orthodoxie.

Sie hielt nicht ganz zweihundert Jahre. Im Juli 1634, im Dreißigjährigen Krieg, wurde Hirschberg in Brand gesteckt und brannte fast vollständig nieder – mitsamt der Kapelle vor den Mauern. Derselbe Brand verzehrte die St.-Anna-Kapelle am Schildauer Tor und den Rathausturm.

Danach führte man in der Nähe eine neue Befestigungslinie, und – so gibt es die Pfarrei an – in ihren Bau ging unter anderem Material aus den Ruinen der Kirche. Genau diesen Punkt bestätigt keine wissenschaftliche Arbeit; er möge Überlieferung des Ortes bleiben, nicht Tatsache.

Die Kirche von 1738

Hundert Jahre später kam der Platz wieder ins Spiel. Die Arbeiten an der neuen Barockkirche waren 1737 abgeschlossen, ein Jahr darauf wurde sie geweiht. Sie steht auf den Fundamenten der verbrannten Kapelle, und gebaut hat sie Caspar Jentsch.

Dieser Name ist auf dem Rundweg schon gefallen – und die Geschichte dahinter ist schöner, als es scheinen mag. Die St.-Anna-Kapelle am Schildauer Tor brannte im selben Feuer von 1634 wie die Kapelle, die hier stand. Beide baute derselbe Mann wieder auf: Jentsch richtete die St.-Anna-Kapelle 1709–1715 her und diese Kirche ein Vierteljahrhundert später. Zwei Stationen des Weges, ein Brand, ein Baumeister.

Den Katholiken diente die Kirche bis 1925.

Dreiundzwanzig Jahre ohne Glauben

Dann kam eine Episode, die man leicht vergisst und die alles erklärt, was heute im Inneren steht.

1925 übernahm die Stadt das Gebäude. Die barocke Ausstattung wurde auf andere Kirchen verteilt, im Inneren richtete man einen Ausstellungssaal und danach ein Militariamuseum ein. Über zwanzig Jahre lang war das überhaupt kein Gotteshaus.

Als die orthodoxe Pfarrei es 1948 erhielt, bekam sie eine leere Hülle. Und deshalb musste alles, was heute hier steht, von irgendwoher kommen.

Wie sie orthodox wurde

Die orthodoxe Pfarrei gründete im November 1947 Pfarrer Stefan Biegun – ein Pionier solcher Gemeinden im südlichen Niederschlesien, Gründer von neun davon. Ein Jahr später bekam sie dieses Gebäude.

Der Grund war konkret. 1947 wurden im Rahmen der Aktion Weichsel über hundertvierzigtausend Menschen zwangsweise in die westlichen Gebiete umgesiedelt – Ukrainer und Lemken, darunter etwa dreißigtausend Lemken. Orthodoxe Gläubige gab es in Niederschlesien schon 1945, zusammen mit den Umsiedlern aus dem Osten, aber erst die Aktion Weichsel schuf hier eine Gemeinde, die groß genug war, um ein eigenes Gotteshaus zu brauchen.

In den folgenden vier Jahren wurde die Ausstattung zusammengetragen. Ikonen und liturgisches Gerät kamen aus zerstörten Kirchen des Chełmer und Lubliner Landes – nicht aus verlassenen, aus zerstörten; die meisten dieser Gotteshäuser wurden schlicht abgerissen. Die Ikonostase selbst kam aus Hrubieszów, auf Initiative von Pfarrer Biegun.

Die erste Liturgie datieren die Quellen auf 1953.

Anders gesagt: der Innenraum dieser Kirche entstand nicht in Hirschberg. Er kam hierher genau wie die Gemeindemitglieder – aus über fünfhundert Kilometern Entfernung, und nicht freiwillig.

Ein Barockbau, der Orthodoxie lernen musste

Es lohnt innezuhalten bei dem, was 1948 eigentlich geschah, denn es war keine bloße Schlüsselübergabe.

Eine lateinische und eine orthodoxe Kirche sind zwei verschiedene Raumordnungen. Eine katholische Kirche des 18. Jahrhunderts führt den Blick geradewegs zum Altar – alles soll sichtbar sein. Die orthodoxe Liturgie verlangt das Gegenteil: eine Ikonenwand, die das Schiff vom Altarraum trennt. Eine Ikonostase ist kein Schmuck, sondern eine Grenze.

Also stellte man in einen barocken, einschiffigen Raum eine Wand. Hergebracht aus Hrubieszów, gebaut für ein ganz anderes Gebäude, über fünfhundert Kilometer entfernt.

Was man sehen sollte

  • Die Fresken von Jerzy Nowosielski und Adam Stalony-Dobrzański – die Ausmalung des Altarraums, mit Christus Pantokrator und den vier Evangelisten. Nowosielski ist einer der wichtigsten polnischen Maler des 20. Jahrhunderts. Für solche Werke fahren Leute durch das halbe Land, und dieses steht in einer Nebenkirche an der Fußgängerzone.
  • Die Ikonostase aus Hrubieszów – das Hauptstück des Innenraums und zugleich seine Biografie.
  • Zwei mittelalterliche Steinkreuze, in die Nordwand eingemauert, eines mit eingeritzter Armbrust und Schwert. In Niederschlesien nennt man solche Kreuze Sühnekreuze: im Spätmittelalter stiftete ein Totschläger sie als Teil des Vergleichs mit der Familie des Opfers, und die Tatwaffe wurde mitunter eingeritzt. Nicht jedes alte Steinkreuz ist jedoch ein Sühnekreuz – und für diese beiden fehlt das Dokument. Dafür sieht man sie vom Gehweg aus, ohne hineinzugehen.
  • Der barocke Baukörper, schlicht und einschiffig: von außen ist das eine schlesische Kirche und gibt nichts anderes vor. Drinnen fasst sie etwa hundert Personen.

Die Kirche steht unter Denkmalschutz, Nummer A/4954/715, Beschluss von 1960.

Die Gemeinde heute

Es ist eine aktive orthodoxe Pfarrei der Diözese Breslau und Stettin. Kein Denkmal, das man zwischen neun und siebzehn Uhr besichtigt, sondern eine Kirche, in der jeden Sonntag gebetet wird.

Für Besucher heißt das eines: wir sind hier Gäste. Den Innenraum sieht man am ehesten während eines Gottesdienstes – sonntags um zehn, samstags um siebzehn Uhr – doch die Termine prüft man besser bei der Pfarrei, denn der orthodoxe Kalender weicht vom katholischen ab und Feste fallen auf andere Tage. Und noch etwas: in einer orthodoxen Kirche steht man üblicherweise, statt zu sitzen.

Was in der Nähe liegt

Die Kirche steht an der ul. 1 Maja, in der einstigen Vorstadt – außerhalb der Mauerlinie, dort wo die verbrannte Kapelle stand. Wenige Minuten entfernt liegt das Schildauer Tor mit der St.-Anna-Kapelle, vom selben Baumeister wiederaufgebaut, und in der anderen Richtung, dieselbe Straße entlang, die Gnadenkirche, die nächste Station des Weges.

Das nächste Hirschchen ist Karruś, hundert Meter entfernt Richtung Altstadt.

Häufige Fragen

Gibt es in Hirschberg eine orthodoxe Kirche? Ja, an der ul. 1 Maja 40. Es ist die Pfarrei der Heiligen Apostel Petrus und Paulus, tätig seit 1947.

Wurde das Gebäude als orthodoxe Kirche errichtet? Nein. Es ist eine barocke katholische Kirche, 1737 vollendet und ein Jahr später geweiht, 1948 der orthodoxen Kirche übergeben.

Was lohnt sich darin? Vor allem die Fresken von Jerzy Nowosielski und Adam Stalony-Dobrzański im Altarraum und die Ikonostase aus Hrubieszów. Von außen – zwei mittelalterliche Steinkreuze in der Nordwand.

Woher stammt die Ikonostase? Aus Hrubieszów. Die Ausstattung wurde zwischen 1948 und 1952 aus zerstörten Kirchen des Chełmer und Lubliner Landes zusammengetragen, zusammen mit der im Rahmen der Aktion Weichsel umgesiedelten Bevölkerung.

Was war vorher hier? Eine Kapelle der Heiligen Jungfrau Maria, 1453 verzeichnet und im Stadtbrand 1634 verbrannt. Die heutige Kirche steht auf ihren Fundamenten.

Wer hat die heutige Kirche gebaut? Caspar Jentsch – derselbe, der nach dem Brand von 1634 die St.-Anna-Kapelle am Schildauer Tor wiederaufbaute.

Kann man hinein? Es ist eine aktive Pfarrkirche. Am ehesten während der Gottesdienste: sonntags um zehn, samstags um siebzehn Uhr.