Hirschberger Stadtroute · die große Route · Cieplice
Naturkundemuseum
Von den rund dreihundertzwanzig der Wissenschaft bekannten Kolibriarten kamen in Bad Warmbrunn dreihundertzwei zusammen. Nicht in Berlin, nicht in London – in einem Kurort am Riesengebirge, in der Privatsammlung eines Geschlechts, an der achtzig Jahre lang Vater und Sohn arbeiteten. Heute steht diese Sammlung im ehemaligen Zisterzienserkloster an der ul. Cieplicka, wenige Dutzend Meter von dem Gebäude entfernt, in dem sie am längsten stand.
Angefangen hat es mit einer Bibliothek in Hermsdorf
Grundlage von allem war die Bibliothek, die Graf Johann Anton Schaffgotsch (1675–1742) im neuen Schloss in Hermsdorf (Sobieszów) einrichtete. 1733 rief er mit einer Stiftungsurkunde eine Familienbibliothek ins Leben und verpflichtete seine Nachfolger, sie ständig zu erweitern. Verwahrt wurden dort nicht nur Bücher und Urkunden, sondern auch Andenken und ein Kuriositätenkabinett – eine Sammlung seltsamer Dinge, die Gäste in Erstaunen versetzen und von den weiten Interessen des Besitzers zeugen sollte.
Nach dem Tod des Stifters verfielen die Sammlungen; geordnet wurden sie erst nach den Napoleonischen Kriegen. In den 1820er Jahren brachte man Bibliothek und Sammlungen von Hermsdorf nach Warmbrunn – in die oberen, leerstehenden Geschosse der ehemaligen Pfarrei, die der Graf 1810 vom Staat zurückgekauft hatte. Am 1. Juli 1834 wurde die Bibliothek eröffnet.
Seit demselben Jahr begann Graf Leopold Christian Schaffgotsch (1793–1864), die Sammlungen Besuchern zu zeigen – im Roten Haus. Der Kurgast kam also zum Wasser und sah bei der Gelegenheit Mineralien, Muscheln und Fossilien. Wincenty Pol, der die Bibliothek 1847 besuchte, zählte über zwölftausend Stücke allein an Mineralien und fünfzigtausend Werke im Buchbestand.
1876: die Vögel ziehen ins Lange Haus
1876 machte Graf Ludwig Gotthard Schaffgotsch die ornithologischen Sammlungen öffentlich zugänglich, aus dem Roten Haus ins Lange Haus verlegt, und vereinigte sie mit der Sammlung des örtlichen Arztes Doktor E. Luks. Vier Jahre später stellte er einen Kustos und Präparator ein – Georg Martini (1860–1931).
Diese Anstellung erwies sich als wichtigste Entscheidung in der Geschichte dieser Sammlung. Martini arbeitete fünfzig Jahre an ihr, nach ihm weitere dreißig sein Sohn Kurt (1891–1969) – bis 1950. Achtzig Jahre ununterbrochener Arbeit zweier Menschen machten aus einem Privatbestand eine der größten privaten ornithologischen Sammlungen Europas. Ab 1920 nahm sie acht Zimmer ein.
Was in diesen acht Zimmern stand
Die Zahlen, die das Museum nennt, beeindrucken bis heute:
- etwa 3000 Vogelarten – bei einer Klasse von rund 8500 Arten;
- etwa 1000 Nester mit 7000 Eiern, viele Arten vom Ei über den Nestling bis zu erwachsenen Tieren beider Geschlechter gezeigt;
- 291 von rund 330 Brutvogelarten Schlesiens, in 1013 Exemplaren;
- 302 von rund 320 bekannten Kolibriarten – eine fast vollständige Reihe;
- 200 Papageienarten von 320 bekannten, 75 von 85 Tukanen und Nashornvögeln;
- über 13 000 Schmetterlinge aus aller Welt, von den kleinsten bis zu über zehn Zentimeter großen Stücken aus den Wäldern des Amazonas.
Schmuckstück der schlesischen Abteilung war ein 1873 bei Schreiberhau erlegter Steinadler – ein Vogel, der schon damals hier selten auftrat. Wegen dieser Sammlungen kamen Wissenschaftler aus ganz Deutschland nach Warmbrunn und suchten Stücke, die es anderswo nicht gab.
Krieg, Verstaatlichung und Abtransporte
1945 übernahmen die polnischen Behörden das Lange Haus, und bereits im April 1946 wurde die Einrichtung unter dem Namen Museum in Cieplice eröffnet. Es war eines der frühesten Nachkriegsmuseen der Region.
Danach beschleunigt sich die Geschichte auf eine für die Sammlungen teure Weise. Am 1. Januar 1950 wurde das Museum verstaatlicht; es unterstand fortan dem Ministerium für Kultur und Kunst, das Gebäude blieb jedoch Eigentum des Kurbetriebs. Im Januar 1951 wurde es dem Schlesischen Museum in Breslau unterstellt. 1952 begann eine „Reorganisation“, in deren Rahmen „überflüssige Exponate“ aus Warmbrunn abtransportiert wurden; wem man sie übergab, entschied Breslau. 1953 – nachdem die wertvollsten Bestände fort waren – wurden die Räume saniert und neue Dauerausstellungen aufgebaut, nur noch naturkundliche.
Am 12. September 1954 wurde die Einrichtung als Naturkundemuseum in Cieplice Śląskie eröffnet. Dieses Datum ist der Anfang der heutigen Institution – und zugleich der Moment, in dem von der großen, vielteiligen Sammlung der Schaffgotsch nur das Naturkundliche blieb.
Drei Umzüge im Umkreis eines Kilometers
Nach dem Krieg hatte das Museum drei Adressen, und alle liegen dicht beieinander.
Das Lange Haus – bis in die 1960er Jahre. Der Auszug hatte einen prosaischen Grund: das Museum gehörte dem Staat, das Gebäude dem Kurbetrieb. Der wachsende Konflikt endete 1967 mit dem Umzug.
Der Norwegische Pavillon im Kurpark – von 1967 bis 2013. Ein Holzbau, der zuvor ganz anderen Zwecken diente, war sechsundvierzig Jahre lang die Adresse der Warmbrunner Naturkunde. Heute arbeitet dort ein Restaurant.
Das ehemalige Zisterzienserkloster an der ul. Cieplicka 11A – heute. Damit kehrte die Sammlung in die Anlage zurück, aus der sie im 19. Jahrhundert hervorging: die Majoratsbibliothek stand schließlich in den Geschossen der ehemaligen Pfarrei.
Dieser letzte Schritt hat noch einen Vorteil. Im Gebäude haben sich barocke Fresken aus dem 17. Jahrhundert erhalten, man sieht also zweierlei auf einmal – die Sammlung und den Raum, in dem sie steht.
Was heute zu sehen ist
Das Museum hat die größte Ausstellung in Form von Dioramen – Tiere in nachgebildeten Ausschnitten ihrer Lebensräume statt in Vitrinenreihen. Dazu eine entomologische Ausstellung mit einheimischen und ausländischen Stücken, „Die geheimnisvolle Welt der Pilze“ und „Zoogeografische Regionen“. Gesondert stehen Exponate zur Geschichte von Warmbrunn, des Kurbetriebs und der Schaffgotsch selbst.
Das Museum hat saisonal und im Winter wie im Sommer unterschiedlich geöffnet – aktuelle Angaben prüft man am besten vor dem Besuch.
Ein Spaziergang auf den Spuren einer Sammlung
Wer die Route geht, kann alle Adressen dieser Sammlung in einer Viertelstunde sehen. Das Schaffgotsch-Palais – von dort stammen Bibliothek und Kuriositätenkabinett. Das Lange Haus – dort standen die Vögel fast hundert Jahre und dort arbeitete das Museum. Der Norwegische Pavillon – der Sitz von 1967 bis 2013. Das Kloster an der ul. Cieplicka – der Ort, an dem dieselben Stücke jetzt stehen.
Eine Sammlung, die in zweihundert Jahren zusammenkam, machte nach dem Krieg vier Umzüge und kehrte an eine Adresse zurück, die neben der ersten liegt.
Häufige Fragen
Was ist das Naturkundemuseum in Hirschberg?
Ein naturkundliches Museum in Cieplice, in der ehemaligen Zisterzienseranlage an der ul. Cieplicka 11A. Seine Bestände gehen auf die seit dem 18. Jahrhundert zusammengetragenen Sammlungen der Familie Schaffgotsch zurück.
Woher kommt die Kolibrisammlung?
Aus dem Privatbestand der Schaffgotsch, an dem ab 1880 der Kustos und Präparator Georg Martini und nach ihm sein Sohn Kurt arbeiteten. Zusammen kamen 302 der rund 320 damals bekannten Kolibriarten.
War das Museum immer im Kloster?
Nein. Nach dem Krieg war es im Langen Haus, 1967 zog es in den Norwegischen Pavillon im Kurpark und 2013 in das ehemalige Zisterzienserkloster.
Wann entstand das heutige Museum?
Als Naturkundemuseum wurde es am 12. September 1954 eröffnet, ein Museum arbeitet in Cieplice aber seit April 1946, und Besuchern gezeigt wurden die Sammlungen schon ab 1834.
Was sehe ich drinnen?
Tiere in Dioramen, eine entomologische Ausstellung, Ausstellungen über Pilze und zoogeografische Regionen sowie Exponate zur Geschichte von Warmbrunn und der Schaffgotsch. Das Gebäude selbst hat barocke Fresken aus dem 17. Jahrhundert.