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Das Lange Haus Hirschberger Stadtroute · die große Route · Cieplice

Das Lange Haus

Das Lange Haus in Cieplice in der Dämmerung – eine lang gestreckte dreigeschossige Fassade in Lachsrosa, links der Turm der Johannes-der-Täufer-Kirche
Die ganze Fassade vom Plac Piastowski. Links der Turm der Johannes-der-Täufer-Kirche – beide Gebäude gehören zur ehemaligen Zisterzienseranlage.

Dieses lang gestreckte Gebäude am Plac Piastowski hat eine Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert reicht, und tat den größten Teil davon genau das, was es heute tut: es nahm Kurgäste auf. Nur eben nicht irgendwelche. Hier wohnten die Reichsten, und damit sie nicht über einen Hof zum Wasser mussten, führte vom Haus zum Bad ein hölzerner, geschlossener Steg. Als auch das nicht mehr genügte, stellte man ihnen Wannen hinein.

Ein Haus, älter als der Kurort, den wir kennen

Das Lange Haus wurde höchstwahrscheinlich schon im 13. Jahrhundert erbaut, und seine Hausherren waren nacheinander Augustiner, Johanniter, evangelische Mönche und Zisterzienser. Ursprünglich war es ein Holzbau, und von Anfang an diente es den Reisenden, die zu den Warmbrunner Wassern kamen.

Diese Liste der Orden ist die Geschichte Schlesiens im Kleinen: die Besitzer wechselten, die Konfession wechselte, und das Gebäude tat weiter seine Arbeit. Ein besseres Beispiel für Kontinuität der Funktion bei völligem Wechsel des politischen Umfelds findet man kaum.

Der Brand von 1671 und eine neue Gestalt

Der Holzbau brannte 1671 nieder. Er wurde in der heutigen Gestalt wiederaufgebaut und galt damit – so der heutige Eigentümer – als das schönste Gebäude von Bad Warmbrunn. Der Ausbau erfolgte 1689–1693.

Diese Arbeiten werden dem Architekten Martin Urban aus Liebau zugeschrieben, der auf Anregung des Grüssauer Abtes Bernard Rosa tätig war. Das Ergebnis ist ein kompakter dreigeschossiger Bau über lang gestrecktem Rechteck – daher der Name – in Form eines eleganten Stadtpalais. Wer davorsteht, sieht zuerst die Länge und den Rhythmus der Fenster; das Gebäude strebt nicht nach oben, es zieht sich in die Breite.

Der Steg zum Bad, also Komfort des 18. Jahrhunderts

Im Langen Haus wohnten nur besonders vermögende Kurgäste – was eine Lösung erklärt, die heute nach Fünf-Sterne-Hotel klingt: vom Gebäude zum Bad führte ein hölzerner, geschlossener Steg. Der Gast ging unter einem Dach zum Wasser und mischte sich weder unter den übrigen Kurort noch unter das Wetter.

1809 ging man einen Schritt weiter: man stellte Wannen für Einzelbäder auf, weil die wohlhabenden Gäste nicht im Becken in Gesellschaft aller anderen baden wollten. Dieser eine Satz sagt über das damalige Warmbrunn mehr als manche Baubeschreibung – Baden war damals eine gemeinsame Sache, und Privatsphäre wurde gerade zur Ware.

1810: das Ende der Zisterzienser, der Anfang der Schaffgotsch

Das Jahr 1810 brachte die Säkularisierung der Orden, nach der die Zisterzienser ihren Besitz verloren. Das Gebäude kaufte und sanierte Graf Leopold Gotthard Schaffgotsch. Zur selben Zeit übernahm die Familie die umliegenden ehemaligen Klostergüter, das Lange Haus fügte sich also in eine größere Operation: Kirchenbesitz ging in die weltlichen Hände eines Geschlechts über.

Als das Haus aufhörte zu heilen und anfing zu zeigen

Mitte des 19. Jahrhunderts hörte das Gebäude auf, Kurzwecken zu dienen. Statt Gästen zogen Sammlungen ein: die naturkundliche Sammlung wurde hierher gebracht und eine Museumsausstellung eingerichtet. Aus dem Schaffgotsch-Palais kamen auch Bibliothek, Münzen und Grafik, und ab den 1830er Jahren war das Ganze für Besucher zugänglich.

1876 wuchs die naturkundliche Sammlung um die ornithologische Sammlung des Doktors Luchs, eines örtlichen Arztes – zusammen mit dem gräflichen Bestand galt sie als die größte Privatsammlung dieser Art in Europa. Daher stammt die Bezeichnung, die dem Gebäude jahrzehntelang anhing: „Vogelmuseum“.

Museum, Büros, wieder Kurgäste

Nach 1945 wurde das Lange Haus Eigentum des Kurbetriebs Cieplice. Das Museum arbeitete hier bis 1965. Danach beherbergte das Gebäude bis 2014 Büros – die Zeit, in der das älteste Haus des Kurorts den Touristen aus dem Blick geriet.

Die Sammlungen hatten sich früher zerstreut. In den 1960er Jahren verteilte man sie auf Kultureinrichtungen im ganzen Land, und 1967 kam der verkleinerte naturkundliche Teil in den Norwegischen Pavillon und begründete das Naturkundemuseum in Hirschberg. Heute sieht man es im ehemaligen Zisterzienserkloster an der ul. Cieplicka 11A – wenige Dutzend Meter von hier.

Das Lange Haus selbst ist zu seiner ältesten Rolle zurückgekehrt: es dient wieder Kurgästen. Es hat Zimmer, ein Restaurant und ein Behandlungszentrum. Nach sieben Jahrhunderten tut das Gebäude also das, womit es angefangen hat.

Ein Spaziergang auf den Spuren einer Sammlung

Die Sammlungen, die hundert Jahre in diesem Gebäude standen, verteilten sich über die Stadt und über das Land – aber die drei Adressen, zwischen denen sie wanderten, liegen hier nebeneinander und lassen sich in einer Viertelstunde abgehen. Das ist wohl die interessanteste Art, diesen Abschnitt der Route zu nehmen.

Das Schaffgotsch-Palais – der Ausgangspunkt. Von dort gingen nach der Säkularisierung Bibliothek, Münzen, Grafik und die naturkundliche Sammlung ins Lange Haus. Das Lange Haus – wo sie am längsten standen und wo das Museum bis 1965 arbeitete. Der Norwegische Pavillon im Kurpark – dorthin kam 1967 der verkleinerte naturkundliche Teil, dort begann das Naturkundemuseum. Das Zisterzienserkloster an der ul. Cieplicka – der heutige Sitz des Museums, also der Ort, an dem dieselben Stücke jetzt stehen.

Die ganze Runde ist keinen Kilometer lang und zeigt etwas, das man an einem einzelnen Objekt nicht sieht: eine Sammlung, die in zweihundert Jahren zusammenkam, machte nach dem Krieg vier Umzüge und kehrte an eine Adresse zurück, die neben der ersten liegt.

Was zu sehen ist

Das Gebäude gehört zu einem arbeitenden Kurbetrieb, nicht zu einem Museum – von außen kann man es jederzeit ansehen, die Innenräume sehen Hotel- oder Restaurantgäste. Es lohnt, den Hof zwischen dem Langen Haus und dem Naturkundemuseum zu betreten: er ist frei zugänglich, und von dort sieht man beide Baukörper auf einmal – das Haus, in dem die Sammlungen standen, und das Kloster, in dem sie heute stehen.

Fotos

Die Fassade des Langen Hauses aus der Nähe: Pilaster, Fensterverdachungen und steinerne Eingangsportale
Der Rhythmus von Pilastern und Verdachungen, durch den sich das Gebäude in die Breite zieht, statt nach oben zu streben.

Häufige Fragen

Gab es im Langen Haus ein Vogelmuseum?

Ja. Die naturkundlichen Sammlungen, darunter die berühmte ornithologische, kamen Mitte des 19. Jahrhunderts hierher, und das Museum arbeitete bis 1965. Danach wurden die Sammlungen zerstreut, der naturkundliche Teil kam 1967 in den Norwegischen Pavillon und begründete das heutige Naturkundemuseum.

Wie alt ist dieses Gebäude?

Seine Geschichte reicht wahrscheinlich ins 13. Jahrhundert, die heutige Gestalt stammt jedoch vom Wiederaufbau nach dem Brand von 1671 und vom Ausbau 1689–1693.

Woher kommt der Name?

Vom Grundriss: das Gebäude wurde über einem lang gestreckten Rechteck errichtet.

Was war der Steg zum Bad?

Ein hölzerner, geschlossener Übergang, der vom Langen Haus direkt ins Bad führte, damit vermögende Kurgäste nicht nach draußen mussten.

Kann man hinein?

Es ist ein arbeitendes Kurhaus mit Zimmern, Restaurant und Behandlungszentrum, die Innenräume stehen also Gästen offen.