Hirschberger Stadtroute · die große Route · Cieplice
Johannes-der-Täufer-Kirche
Diese Kirche bemüht sich nicht um Aufmerksamkeit. Einschiffig, ohne Turm, von der Straße wirkt sie wie ein solides, aber gewöhnliches Gebäude – und genau darin liegt ihr Trick. Drinnen hängt ein Altarbild, das Michael Willmann zugeschrieben wird, dem als schlesischer Rembrandt bezeichneten Maler; dazu acht Seitenaltäre, eine Kanzel mit Moses und Melchisedek und unter dem Chor eine Gruft, in der seit 1601 die Warmbrunner Linie der Schaffgotsch bestattet wurde.
Schlichtes Kleid, reiches Inneres
Beginnen Sie damit, das Gebäude nicht vom Bürgersteig aus zu beurteilen. Die Kirche ist einschiffig und hat keinen Turm; der Baukörper ist kompakt und still. Das ist keine Folge von Sparsamkeit, sondern dessen, was sie war: Teil einer Klosteranlage und keine eigenständige Stadtkirche, die den Markt überragen muss. Über die Westwand ist sie mit dem Klostergebäude verbunden, das noch im 16. Jahrhundert entstand und 1679–1684 erweitert wurde.
Man betritt dieses Innere also von der Straße aus, ohne viel zu erwarten – das Beste, was einem Besucher passieren kann.
Ein Brand, der nur den Glockenturm übrig ließ
Die Tradition dieses Ortes reicht bis 1175 zurück, als hier die erste Kapelle von Herzog Boleslaw dem Langen errichtet worden sein soll – demselben, den die Legende mit der Entdeckung der Warmbrunner Quellen verbindet. Bauten kamen und gingen, bis 1711 ein Brand die frühere Kirche verzehrte.
Eines blieb: der frei stehende Glockenturm, ein Jahr zuvor errichtet, 1709–1710, gestiftet von Graf Johann Anton Schaffgotsch. Er dient auch als Uhrturm, und unter ihm hindurch gelangt man vom Plac Piastowski auf den Kirchhof. Als die neue Kirche 1712–1714 gebaut wurde – nach dem Entwurf von Kaspar Jentsch aus Hirschberg –, bekam sie keinen Turm. Wozu auch, wenn nebenan ein neuer stand.
Willmann, oder warum man hineingehen sollte
Der größte Schatz hängt im Hochaltar von 1716: ein Bild, das Maria umgeben von Heiligen zeigt und Michael Willmann zugeschrieben wird.
Dieses Wort verdient Betonung – *zugeschrieben*. Willmann, der „schlesische Rembrandt“, ist der wichtigste Maler des schlesischen Barocks; er arbeitete vor allem für die Zisterzienser von Leubus und Grüssau. Sein Werk wird bis heute erforscht, und bei über die Provinz verstreuten Arbeiten sind Zuschreibungen eher vorsichtig. Ich schreibe also nicht, dass es ein Willmann ist – ich schreibe, dass es ihm zugeschrieben wird, und das ist die ehrliche Fassung.
Die bildhauerische Architektur des Altars schuf Augustin Wagner. Unter der Empore blicken drei Passionsbilder von Johann F. Hoffmann hervor, der für die Zisterzienser von Grüssau arbeitete – also aus demselben Umfeld, aus dem das Lange Haus nebenan hervorging.
Dazu kommen acht Seitenaltäre aus dem 18. Jahrhundert, eine Orgel von 1765 und eine reich geschmückte Kanzel mit Figuren von Moses, Melchisedek und der heiligen Elisabeth.
Eine Gruft mit einem Fürsten
Unter dem Chor liegt die Gruft der Warmbrunner Linie der Schaffgotsch, seit 1601 in Gebrauch. Unter den Grafen ruht dort ein Fürst: Philipp Gotthard Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau, Sohn jenes Johann Anton, der den Glockenturm stiftete.
Damit schließt sich ein Faden, der sich durch die ganze Route zieht. Im Palais nebenan sammelten die Schaffgotsch eine Bibliothek, im Langen Haus verwahrten sie Sammlungen, über Sobieszów hatten sie die Burg Kynast, und hier bestatteten sie ihre Toten. Wer diese Route geht, durchquert praktisch den Besitz einer einzigen Familie – und erst die Gruft zeigt, wie lange diese Familie hier gegenwärtig war.
Platten aus Radomierz, in die Mauer eingelassen
Neben dem Turm sehen Sie Renaissance-Grabplatten von Angehörigen des Geschlechts, das über das nahe Radomierz herrschte. Sie standen nicht immer hier: in den 1840er Jahren wurden sie aus der dortigen Kirche hergebracht, die damals schon eine Ruine war. Die Tafel an der Kirche nennt fünfzehn Platten und das Jahr 1849, die städtische Broschüre 1847. Zwei Jahre Unterschied – bei Denkmälern kommen größere vor.
Die Praxis selbst ist bemerkenswert: als die Kirche in Radomierz zu bestehen aufhörte, mauerte man die Platten in die Mauer um die Warmbrunner Kirche ein, statt sie mit dem Gebäude verschwinden zu lassen. So kann man sie heute vom Hof aus betrachten, ohne hineinzugehen.
Zwei Säulen, die man leicht übersieht
Am Turm steht eine Florianssäule von 1717, ein Werk von Johann Karl Schönheim. An der Nordseite der Kirche – eine Dreifaltigkeitssäule von 1720, später ergänzt um die Figuren des heiligen Hubertus und des heiligen Sebastian.
Florian gegen das Feuer, Sebastian und Hubertus gegen die Pest und für die Tiere: das ist keine zufällige Zusammenstellung. Sie entstanden wenige Jahre nach dem Brand, der die vorige Kirche verzehrte, und in einer Zeit, in der die Pest keine Abstraktion war. Diese Säulen sind ein Protokoll der Ängste einer Epoche, fest am Weg aufgestellt.
Was zu sehen ist
Die Kirche gehört heute zu einer Pfarrei, die von den Piaristen geführt wird. Das Innere ist manchmal am Vormittag geöffnet, am besten fragt man vor Ort – Öffnungszeiten nenne ich nicht, sie veralten schneller als Internetseiten.
Auch bei geschlossener Tür lohnt der Weg hinein: Hof, Torturm, die Platten aus Radomierz und beide Säulen sind von außen zugänglich und geben die Hälfte dessen, weswegen man kommt. Die andere Hälfte hängt im Altar.
Häufige Fragen
Hat das Altarbild wirklich Willmann gemalt?
Es wird ihm zugeschrieben, was in der Kunstgeschichte eine begründete Vermutung bedeutet, keine gesicherte Urheberschaft. Willmann arbeitete vor allem für die Zisterzienser von Leubus und Grüssau, der Zusammenhang passt also.
Warum hat die Kirche keinen Turm?
Weil nebenan ein frei stehender Glockenturm von 1709–1710 steht, der den Brand von 1711 überstand. Die neue Kirche entstand nach dem Brand, schon ohne eigenen Turm.
Was sind das für Grabplatten in der Mauer?
Renaissance-Platten des Geschlechts, das über Radomierz herrschte, in den 1840er Jahren aus der dortigen, verfallenen Kirche hierher gebracht.
Kann man in die Gruft?
Die Gruft liegt unter dem Chor und ist normalerweise nicht zugänglich.
Wer ist dort bestattet?
Die Warmbrunner Linie der Schaffgotsch, seit 1601, und unter ihnen der Fürstbischof von Breslau Philipp Gotthard Schaffgotsch.