Hirschberger Stadtroute · die große Route · Cieplice
Galerie und Kur-Animationstheater
In diesen beiden verbundenen Gebäuden steckt die ganze Geschichte der Kurunterhaltung. Zuerst die Galerie – ein Gesellschaftsklub nach dem Vorbild einer antiken Villa, mit Lesesaal, Spielsalon und Zigarrenzimmer. Dann das Hoftheater, in dem die ersten fünf Jahre nur für die Besitzer gespielt wurde und an dessen Aufführungen betitelte Kurgäste und die Schaffgotsch selbst mitwirkten. Heute spielt dasselbe Haus vor allem für Kinder.
Die Galerie: ein Klub, den man heute nicht mehr bauen würde
Die Galerie entstand 1797–1800, gestiftet von den Schaffgotsch, nach dem Vorbild einer antiken Villa. Der Name führt in die Irre – es war keine Gemäldegalerie, sondern ein Gesellschaftsklub, und zwar ein sehr genau durchdachter.
Unter einem Dach lagen Konzertsaal, Lesesaal, Spielsalon, Zigarrenzimmer und Restaurant. Letzteres arbeitet bis heute, was bei einem zweihundert Jahre alten Gebäude selten ist. Die übrigen Räume sagen, wozu man damals zur Kur fuhr: die Behandlung nahm den Vormittag, den Rest des Tages musste man füllen – mit Gespräch, Karten, Zeitung, Musik.
Wer sie entworfen hat, ist strittig. Alle Quellen nennen den Namen Geissler, die eine spricht von einem Berliner Architekten, die andere von einem Breslauer, und die Tafel am Gebäude nennt noch einen anderen Vornamen. Ich lasse es deshalb beim Nachnamen – das scheint mir ehrlicher, als eine der drei Fassungen zu wählen.
Ein Theater, in dem die Kurgäste spielten
Das Theatergebäude kam 1835–1836 dazu, auf Anregung des Grafen Johann Nepomuk Schaffgotsch und nach dem Entwurf von Albert Tollberg. Es ist klassizistisch und intim; die städtische Broschüre bemerkt spitz, seine Formen seien „etwas weniger edel als die der Galerie“.
Am interessantesten ist, für wen es gebaut wurde. Die ersten Jahre war es ein Hoftheater – gespielt wurde für die Besitzer und ihre Gäste. Ein breiteres Publikum kam erst ab 1840 hinein, und auch das blieb elitär.
Und noch etwas, das in üblichen Beschreibungen fehlt: an den Aufführungen wirkten betitelte Kurgäste und Mitglieder der Familie Schaffgotsch mit. Das war kein Theater, das eine Truppe bereiste – es war ein Theater, das teilweise sich selbst vorspielte. Man stelle sich das in einem Saal mit rund zweihundertsiebzig Plätzen vor: der Graf auf der Bühne und im Publikum jene, an deren Tisch er am Abend zuvor gegessen hatte.
Zur Bequemlichkeit der Gäste wurden beide Gebäude mit der Zeit durch einen Verbindungsbau vereint – vom Klub ins Theater kam man, ohne nach draußen zu gehen. Es ist derselbe Gedanke, der dem Langen Haus den gedeckten Steg zum Bad gab.
Vom Hoftheater zu den Puppen
Heutiger Hausherr ist das Kur-Animationstheater. Die Einrichtung ist anderthalb Jahrhunderte jünger als das Gebäude: sie entstand am 1. Oktober 1976 als Hirschberger Animationstheater, wurde am 1. Januar 2009 selbstständig und nahm den heutigen Namen an. Seit 2022 ist ihr Patron Bogdan Nauka, der das Theater von 1994 bis 2020 leitete.
Das Repertoire besteht vor allem aus Stücken für Kinder und Jugendliche. Wer mit Kind unterwegs ist, findet hier den einzigen Punkt der Route, an dem sich ein ganzer Nachmittag verbringen lässt statt einer Viertelstunde.
Das Gebäude wurde grundlegend modernisiert – die Tafel nennt 2008–2011, andere Quellen einen 2007 begonnenen Umbau – und bekam dabei neue Nebenräume. Der Zuschauerraum mit einem Rang fasst heute bis zu zweihundert Personen.
Der Park, also der Rest des Programms
Die Gebäude stehen im Kurpark, und der Park ist älter als sie: er entstand schon 1713 aus einem gewöhnlichen Gemüsegarten. 1796 wurde die Hauptallee angelegt und mit Linden und Ahorn bepflanzt, 1819 der Schlossgarten französisch gestaltet und 1838 im englischen Stil umgebaut.
Eine Entscheidung Schaffgotschs sagt über die Epoche mehr als alles andere: der Park wurde in einen Schlossteil, nur für die Bewohner des Palais, und einen Kurteil für alle übrigen geteilt. Die Grenze verlief zwischen denen, die hier wohnten, und denen, die hierher gekommen waren.
Heute umfasst der Park über 16 Hektar. Es wachsen dort Ahorne, Bergahorne, Winterlinden und Stieleichen, unter den eingeführten Arten Roteichen und Douglasien. In der Konzertmuschel, in der einst die Kurkapelle spielte, finden bis heute Konzerte statt.
Was zu sehen ist
Beide Gebäude lassen sich jederzeit von außen betrachten, der Park ist frei zugänglich. Das Theaterinnere sieht man am einfachsten mit einer Karte für eine Vorstellung – und das ist hier der beste Weg, denn der Saal ist klein und auf einen Blick zu erfassen.
Das Restaurant in der Galerie arbeitet ohne Unterbrechung seit über zweihundert Jahren; ein Kaffee an diesem Ort ist also kein Marketingtrick, sondern die Fortsetzung der ursprünglichen Funktion des Hauses.
Vor dem Theater steht Lalkarz, der Puppenspieler – ein Hirschlein mit einer Marionette in den Hufen, eine der Figuren vom Hirschlein-Pfad. Eine besser gewählte Adresse gibt es kaum.
An diesem Objekt fehlt die Leiste mit den Nachbarpunkten der Route, die andere Gebäude haben. Wer also unterwegs einen Hinweis sucht, wie es weitergeht: der nächste Punkt ist der Norwegische Pavillon, etwa zweihundert Meter durch den Park.
Häufige Fragen
Was war die Galerie?
Der Gesellschaftsklub des Kurorts, 1797–1800 nach dem Vorbild einer antiken Villa erbaut. Sie beherbergte Konzertsaal, Lesesaal, Spielsalon, Zigarrenzimmer und Restaurant.
Wer baute das Theater und wann?
Es entstand 1835–1836 auf Anregung des Grafen Johann Nepomuk Schaffgotsch nach dem Entwurf von Albert Tollberg. Die ersten Jahre war es ein Hoftheater, ein breiteres Publikum kam ab 1840 hinein.
Haben hier wirklich Kurgäste gespielt?
Ja. An den Aufführungen wirkten betitelte Gäste des Kurorts und Mitglieder der Familie Schaffgotsch mit.
Was ist das Kur-Animationstheater?
Ein Puppentheater, tätig seit 1976 und selbstständig seit 2009. Es spielt vor allem für Kinder und Jugendliche.
Wie viele Zuschauer fasst der Saal?
Heute bis zu zweihundert, in einem Raum mit einem Rang. Ursprünglich wurden rund zweihundertsiebzig Plätze angegeben.